Wir leben nur noch nebeneinander her. Meinen Mann interessiert es überhaupt nicht mehr was ich zu sagen habe – er redet kaum noch mit mir.
Manchmal denke ich, wir leben einfach nur noch nebeneinander her. Meinen Mann interessiert es überhaupt nicht mehr, was ich zu sagen habe - er redet kaum noch mit mir. Schon beim Frühstück geht es los: Detlef verkriecht sich hinter seiner Zeitung, will nicht gestört werden. Rufe ich ihn auf der Arbeit an, antwortet er nur muffelig und einsilbig.
Wenn er abends nach Hause kommt, setzt er sich gleich vor den Fernseher, zischt ein Bier und ein paar Klare. Frage ich ihn, wie es bei der Arbeit war, murmelt er nur ein "Wie immer". Das ist alles. Beim Abendessen lässt er sich von der Flimmerkiste berieseln. Und im Bett habe ich auch keine Gelegenheit, mich mit ihm auszutauschen - er geht erst sehr spät ins Bett und dann schläft er gleich ein.
Sind wir zusammen mit dem Auto unterwegs, will er unbedingt den Info-Sender im Radio hören, da darf ihm keiner reinquatschen. Fahren wir mit der U-Bahn, holt er sofort eine Zeitschrift oder ein Buch raus. Das sei doch sonst vertane Zeit, wenn er nur aus dem Fenster schauen müsste, sagt er. Auf die Idee, dass er sich auch mit mir unterhalten könnte, kommt er nicht.
Bin ich denn vertane Zeit für ihn? Bin ich ihm wirklich so egal? Bin ich für ihn denn nur die doofe Hausfrau, mit der man sich nicht unterhalten braucht? Wenn ich etwas anspreche, den tropfenden Wasserhahn oder die kaputte Kellertür, höre ich nur "Schon gut. Jaja, schon gut."
Aber nichts ist gut. Bei Geldfragen ist es noch extremer: Wenn ich mich wundere, warum unsere Telefonrechnung so hoch ist oder mit ihm mal unsere Finanzen besprechen will, sagt er: "Lass nur, ich mach‚ das schon. Darum brauchst du dich nicht kümmern."
Er will einfach immer nur in Ruhe gelassen werden. Aber wenn ich so zurück denke, war er eigentlich schon immer so. Als wir gerade fünf Jahre verheiratet waren - bald nach der Geburt unseres Sohnes - hat er ein Jahr überhaupt nicht mit mir geredet. Ich dachte, das sei normal oder ich hätte etwas angestellt und wagte nicht zu fragen.
Meine Arbeit ist so anstrengend, dass ich abends einfach ausspannen muss und meine Ruhe brauche. Aber dann kommt Carola und erzählt mir was von tropfenden Wasserhähnen und wie sie die Balkonkästen bepflanzen will.
Dafür habe ich dann echt keine Antenne. Oder, noch schlimmer, sie kommt mit diesen endlosen Beziehungsdiskussionen. Da bin ich einfach nicht der Typ für. Es läuft doch gut so, wie es läuft. Warum soll man immer alles problematisieren und kaputt reden?
Ich habe bei solchen Gesprächen immer das Gefühl, der Unterlegene zu sein und mich verteidigen zu müssen. In meinem Kopf geht dann alles drunter und drüber, ich kann keinen klaren Gedanken fassen und weiß nicht, was ich sagen soll. Wenn man so lange zusammen ist wie Carola und ich, hat man sich nun mal nicht mehr so viel zu sagen. Aber das ist doch nicht schlimm.
Nach Statistiken sprechen Paare nach sechsjähriger Partnerschaft im Durchschnitt noch 10 Minuten täglich miteinander. Die tägliche Routine erstickt die Gefühle, wenn man sich nicht ganz bewußt um die Partnerschaft bemüht.
Gesprochen wird nur noch über die Alltagsorganisation, den Berufsalltag, wer wann was fernsieht, die Kinder. Zudem haben Männer und Frauen generell unterschiedlich starke Bedürfnisse nach Kommunikation. Die meisten Männer haben nicht das Bedürfnis nach großem Austausch und fühlen sich hilflos, wenn es um Gefühle und Grundsatzdiskussionen geht.
Wenn die Partnerin ständig an ihnen herumnörgelt, sie kontrolliert und verbessern will wie etwa mit den Bemerkungen "Du hast schon wieder vergessen ... Du solltest einen Handwerker bestellen .... Nie redest du mit mir", dann fühlen sie sich in Frage gestellt und ungeliebt.
Die meisten Frauen hingegen fühlen sich nur geliebt, verstanden und dem Partner nahe, wenn der Partner ihnen zuhört und sich bemüht, ihre Gefühle zu verstehen, wenn er ständig an der Partnerschaft mit ihnen arbeitet und ihre Gefühle akzeptiert. Wenn Männer und Frauen darum kämpfen, den Partner zu verändern, so dass er sich wie sie verhält, dann ist dies ein aussichtsloser Kampf, der zum Scheitern verurteilt ist.
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